Glas oder Kunststoffprothese?

F.Ad. Müller Söhne stellt Augenprothesen aus Glas her und passt sie individuell an. Bis 2011 wurden in unserem Institut auch Augenprothesen aus Kunststoff anfertigt. Nachfolgend ein Vergleich der beiden Prothesentypen.

Das Glasauge

Vorteile

  • natürliches anorganisches Material, Kryolithglas (Na6 Al2 F12)
  • die Oberflächenstruktur: durch Feuer gebrannte Oberfläche auf Vorder- und Rückseite gute Benetzbarkeit mit Tränenfilm und widerstandsfähig gegen Flüssigkeiten
  • Farbstabil, kein Ausbleichen der Farben
  • durch dünne Wandung sehr leichte Prothesen, besonders bei großen Prothesen eine wichtige Eigenschaft, da besserer Tragekomfort (Hohlkörper, nicht massiv)
  • der Glanz ist durch die gute Lichtreflexion dem natürlichen Auge sehr nahe
  • die Anfertigung erfolgt im Beisein des Patienten. Nach dem Abkühlen kann das Glasauge sofort getragen werden (Gesamtdauer ca. 1-2 Stunden)
  • da nur wenig Werkzeuge und Equipment notwendig sind, können Ocularisten mit ihrem Kunsthandwerk an vielen Orten tätig sein, kurze Wege für Patienten

Nachteile

  • bei unvorsichtigem Umgang zerbrechlich
  • nach der Fertigstellung nur begrenzt zu korrigieren oder nachzuarbeiten
  • Reparatur von beschädigten Glasprothesen nicht möglich
  • bei sehr kalten Außentemperaturen kann es, je nach Empfindlichkeit und Beschaffenheit der Augenhöhle, zu Kälteempfinden kommen

Das Kunststoffauge

Vorteile

  • unzerbrechlich (außer bei extremer Belastung, da aus PMMA PolyMethylMethAcrylat)
  • kein Kältegefühl bei kalten Außentemperaturen
  • nach der Anfertigung noch weiter modulierbar
  • durch jährliches Aufpolieren bis zu 5 Jahren tragbar

Nachteile

  • durch etwas stumpfere Oberfläche schlechtere Benetzbarkeit mit Tränenfilm
  • deutlich längere Herstellungsdauer, (2 Tage, mehrere Besuche notwendig)
  • Es kann zu Reaktionen mit der Bindehaut kommen
  • Die matte Oberfläche hat auch nach dem Polieren (mechanisch) wenig Lichtreflexion
  • Es kann im Laufe der Zeit zu Farbveränderung kommen (Ausbleichen des Kunststoffs)
  • Häufig schwerer als Glasprothesen, da dicker oder völlig massiv gearbeitet
  • Keine Anfertigung einer Bulbus-Skleralschale möglich, um ein Auge abzudecken, das nicht durch Enukleation entfernt werden soll oder kann
  • Viel Werkzeug und Equipment nötig, daher meist nur an einem festen Ort herstellbar, in Folge dessen oft weite Wege für Patienten
  • Prothesen aus Kunststoff benötigen ein Genehmigungsverfahren bei den Kostenträgern